Keine Angst vor Bienentrauben

Diepholz – Gut 10  000 Bienen hängen als eine Einheit in Form einer Traube am Baum oder gar am eigenen Auto. Was tun und wie kommt dieses Phänomen zustande? Der Diepholzer Hobbyimker Manuel Finkenstädt, der bei solchen Ansammlungen von Bienen von Anwohnern oder auch der Feuerwehr zur Bergung der Bienentraube gerufen wird, klärt auf.

„Das ist ein natürlicher Prozess, dass sich ein Bienenvolk teilt. Besonders im Frühling, wenn die Blumen blühen und die Bienen viel Nahrung finden, kommt dies häufiger vor“, so der 41-Jährige. In dieser Zeit lege die Königin besonders viele Larven, sodass ein Bienenvolk von 5 000 bis 10 000 Bienen auf 40 000 bis 50 000 Exemplare wachse. Der Raum im Stock wird dabei immer weniger und die alte Königin komme in eine Art Legenot.

Manuel Finkenstädt: „Der Organismus entscheidet kollektiv, sich zu teilen. Dabei kann man von einem natürlichen Vermehrungsprozess sprechen. Das halbe Volk spaltet sich ab und begibt sich auf die Suche nach einer neuen geeigneten Behausung.“. Diese traubenförmigen Ansammlungen von Bienen seien demnach auf der Suche nach einer Bleibe. Deshalb stechen die Bienen auch nicht, da sie einem Schwarmtrieb nachgingen und ein neues Zuhause suchen, erklärt Finkenstädt.

Eine Bienentraube, die der Imker in Diepholz geborgen hat.

Bei der Bergung wird die Bienentraube mit Wasser besprüht, sodass die Bienen flugunfähig gemacht werden. Anschließend wird die Traube samt Königin in einen Holzkasten gepackt, um sie in einen Bienenstock umzusiedeln.

Sollten Anwohner eine Bienentraube in ihrem Garten oder an einem öffentlichen Ort entdecken, so sollte schnellstmöglich der nächstgelegene Imker informiert werden, oder man melde sich für den Raum Diepholz telefonisch bei Manuel Finkenstädt unter Tel. 0176/ 61369607.

In diesem Jahr hat der Hobbyimker bereits fünf Bienentrauben in Diepholz und Umgebung geborgen.

Die Aufgabe der Imker ist es, die Zweiteilung bei den eigenen Bienenvölkern zu verhindern. Hierzu muss regelmäßig überprüft werden, ob eine sogenannte Weiselzelle entstanden ist. In diesen besonders großen Larvenzellen würde eine neue Bienenkönigin heranwachsen. Die alte Königin macht sich daraufhin auf die Suche, um ein eigenes Volk aufzubauen. Deshalb müssen die Weiselzellen durch den Imker herausgebrochen werden. Wenn es dennoch zu der Trennung des Bienenvolks kommen sollte, so nehmen die ausgewanderten Bienen Nahrung für drei Tage mit, so der Imker. Einnisten wollen sich die umhersuchenden Bienen vorzugsweise in ausgehöhlten Baumstämmen, oder auch Mauern.

Dabei kommt es aber auch vor, dass sie sich im Park oder im Garten niederlassen. Ohne geeignete Behausung und ohne ausreichend Futter seien die Bienen zum Tode verurteilt. Zudem müssten die Bienen gegen die Varroamilben behandelt werden, erklärt der 41-Jährige: „Sonst haben die Bienen spätestens im Winter keine Überlebenschance mehr.“

Der Imker schätzt die Überlebensmöglichkeit von frei umherfliegenden Bienenvölkern heute als weniger gut ein als noch vor 50 Jahren. Vor allem Umweltbedingungen, wie dem Abmähen von Wegesrändern, den Anbau von Monokulturen und der Nutzung von Pestiziden, würden den Bienen vermehrt zusetzen. Ein Umdenken sei aber durch verschiedene Initiativen in der Bevölkerung wieder zu spüren.

https://www.kreiszeitung.de/lokales/diepholz/diepholz-ort28581/keine-angst-vor-bienentrauben-90002525.html